Das grüne wilde Wunder im Mai
Der Löwenzahn | Taraxum officinale
Der Vielfältige
Alle Kinder kennen und lieben ihn. Seine Blüten sind wie kleine Sonnen, und was gibt es Schöneres, als eine Wiese im Mai, die voller Löwenzahnblüten scheint und duftet? Aus ihnen lassen sich üppige Blumenkränze flechten, Ohrschmuck und Halsketten herstellen. Die hohlen Stängel eignen sich hervorragend als Baumaterial für komplexe Rohrleitungssysteme und lustige Pfeifen. Mir, obwohl schon lange kein Kind mehr, macht es Spaß, in so einen zarten Ball zu pusten und den hinwegschwebenden Fallschirmchen nachzusinnen.
In seiner Erscheinung ist der Löwenzahn so vielfältig, wie kaum eine andere Pflanze. Je nach Standort, Bodenbeschaffenheit, Klima und Lichteinwirkung können die Blätter von ganz klein bis riesengroß, die Blattränder von tief gekerbt bis fast glatt sein. Diese Vielfältigkeit finden wir auch in den Namen wieder, die ihm der Volksmund gegeben hat. Er wird Butterblume, Kuhblume, Pusteblume, Milchstock, engl. Dandelion und franz. Plissenlit genannt.
So gut wie nie wird eine einzelne Pflanze wachsen. Immer finden wir sie in großen fröhlichen Gruppen zusammen stehend vor. Dabei richten sich die Blütenstängel achtsam auf die Wuchshöhe ihrer Nachbarn ein.
Botanisches
Der Löwenzahn gehört zur Familie der Korbblütler und wird den Frühjahrskräutern zugeordnet.
Die lanzettförmigen gekerbten Blätter wachsen im zeitigen Frühling aus der fleischigen Pfahlwurzel zu einer bodennahen Rosette. Aus deren Mitte sprießen die charakteristischen kahlen Stängel, an deren oberen Enden sich aus den Knospen die freundlichen gelben Blüten entfalten.
Der Löwenzahn gehört zu den Kurztagspflanzen, er blüht also im Frühling und im Herbst. Scheint die Sonne, öffnen sich die Blüten am frühen Morgen und schließen sich am Nachmittag. Regnet es, bleiben sie auch am Tag geschlossen.
Nachdem er verblüht ist, reifen die Samen und es entsteht die Pusteblume. Eine wunderschöne bizarre Kugel, die aus zarten Samen mit kleinen Fallschirmen besteht.
Durch den leisesten Windzug lassen sie sich ins Weite tragen.
Die Powerpflanze
Die Pflanze ist eine alte Heilpflanze und hat einen hohen Gehalt an Bitterstoffen, worauf auch ihr lateinischer Name hinweist. Bitterstoffe kurbeln die Verdauung an, helfen zu entschlacken und stärken unser Immunsystem (siehe http://www.sein.de/archiv/2010/januar/pflanzliche-bitterstoffe-staerken-lebenskraft-und-immunsystem.html).
Löwenzahn enthält außerdem Kalium, Kalzium, Eisen und die Vitamine A,B,C,D.
Oh wie habe ich nach dem langen Winter auf die ersten Blättchen vom Löwenzahn gewartet. Inzwischen sind sie beachtlich gewachsen und ich esse sie täglich im Salat, als Gemüse, in der Suppe und trinke den frischen Saft.
Seine Wirkung ist unmittelbar nach dem Genuss zu spüren. Er vertreibt die Frühjahrsmüdigkeit, gibt Kraft und ist dabei überaus köstlich im Geschmack.
Jetzt im Frühjahr ist er besonders roh eine wohlschmeckende Powerpflanze.
Er enthält zum Beispiel dreißig mal mehr Eisen als Spinat, vierzigmal mehr Vitamin A und neun mal so viel Vitamin C wie Grüner Salat.
